Kant

Ich beschreibe hier nur das für die Ethikratie Entscheidende, affektiv – alles Weitere ist aus Wikipedia zu entnehmen
( → Kritik der reinen Vernunft, → Der Kategorische Imperativ )

Anmerkung 1: Seit der Antike bis heute wird auf allen Ebenen – auch in höchsten philosophischen Kreisen – nicht sauber unterschieden zwischen “Moral” und “Ethik”, auch von Kant nicht – eine Folge der Entfremdung im intellektuellen Bereich.
Siehe hierzu → Ethik und → Moral – ich verwende im Folgenden (auch Kant korrigierend) das Wort “Ethik” auf Basis der ethikratischen Definition als “kognitive Manifestation der [säugerimmanenten] Empathie”.

Anmerkung 2: Wichtig ist hier besonders die Abgrenzung zwischen Kant und Hegel.
Siehe hierzu auch → “Demokratie” und Hegelianismus.

 

Aus “Kritik der reinen Vernunft” – der “Kategorische Imperativ”:

„Handle nur nach derjenigen Maxime,
durch die du zugleich wollen kannst,
dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

[Anm.: hätte er geschrieben “… willst“, hätte das einen selbstgerechten Antrieb zur Moral-Vorschreibung bedeutet, persönlich-strukturell faschistoid]

Hegel (wie auch schon viele von Kants Zeitgenossen) hat sich über den Kategorischen Imperativ lustig gemacht und ihn als Tautologie bezeichnet – zuerst einmal verständlich, denn er funktioniert für einen hochethischen Menschen genauso wie für einen Faschisten.

Kant legt der Ausführung seines Pflichtbegriffs aber einen “guten Willen” zugrunde, und deshalb zeigt Hegel mit seiner Kritik seine klare und deutliche Intention, eine wertende Unterscheidung zwischen “gut” und “böse” zu unterschlagen/vertuschen oder gar zu verhindern.

Nach Kant ist “… das von der Vernunft objektiv (für alle vernünftigen Wesen notwendige) für moralisch gut Erkannte [wäre] auch das, was jedes Vernunftwesen subjektiv für sich als moralisch gut erkennen und auch wollen würde. Der Mensch jedoch schöpft die Bestimmungsprinzipien seines Willens nicht allein aus Vernunft, er ist kein rein vernünftiges Wesen, sondern ein teilvernünftiges, ein mit einem sinnlich-affizierten Willen ausgestattetes partielles Vernunftwesen. Das, was außer der Vernunft noch seinen Willen bestimmt, sind nach Kant die Neigungen, Komponenten unserer sinnlichen Veranlagung, die auf dem „Gefühl der Lust und Unlust beruhen“ “.
Für Kant waren also unsere Sinne resp. Emotionen (gegenüber unserem Kognitum) die Verursacher von Abweichungen von der “moralischen” (ethischen) Pflicht.
Ebendies ist aber nur bedingt gültig, denn alles, was mit unserer Säuger-Empathie konform geht, kann als “gut” – und der entsprechende Antrieb als “guter Wille” – bezeichnet werden und führt damit geradezu in die “ethische Pflicht“.

Hätte Kant also nicht-entfremdet die eindeutige ethikratische Definition von “Ethik” (statt “Moral”) verwendet, wäre wohl wirklich das perfekte und unbestreitbare Philosophie-/Gesellschaftpolitik-Grundlagen-Werk aus der Feder dieses großen (auch selbst-) kritischen guten Asperger-Autisten entsprungen – über 90% aller Diskussionen über den unscharfen alten Begriff “Ethik” (+”Moral”) wären obsolet – und Hegel hätte keinen Fuß auf die Erde bekommen.

Die Ethikratie verwendet daher eine Modifikation des Kant’schen Kategorischen Imperativs, den ethischen:

Handle nur nach derjenigen ethischen Maxime,
durch die du zugleich wollen kannst,
dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

und bezieht dies auf den alles durchziehenden Grundbegriff “Leid” (→ Präambel der Verfassung der Ethikratie).

Hieraus entspringen zwei populäre Formeln, die ich den “aktiven” und den “passiven” Ethischen Kategorischen Imperativ (EKI) nenne:

Aktiv: “Lebe, wie Du – wenn Du stirbst – wünschen wirst, gelebt zu haben!“,
wobei der “Wunsch” auf “guten Willen” → “ethisch reines Gewissen” zielt und damit u.a. auch → Art.2, Abs.1 des GGs der BRD betrifft:
“… Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt …”.
Die Ethikratie ersetzt “Rechte anderer” durch “Rechte von Lebewesen“, damit wird sogar eine Pflicht zur – nur durch ethische Parameter begrenzten – Selbstverwirklichung begründet, denn “… Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit …”
⇒ man darf sich eigentlich auch nicht das eigene Recht (zur Selbstverwirklichung) versagen.
Aber das bleibt jedem Menschen selbst überlassen, denn “selbst zugefügtes Leid ist per se ausgeglichen“.
[Anm.: Letzteres begründet übrigens auch das Recht auf Prohibitionsfreiheit (außerhalb des Kinder- und Jugendschutzes), sowie das Recht auf Selbstverletzung und Selbsttötung]

Passiv: “Was Du nicht willst, das man Dir tu’, das füg’ auch keinem and’ren zu!
Dies betrifft wiederum → Art.2, Abs.1 des GGs der BRD, lediglich auf die einschränkende “Unterlassung” fokussiert
(“… Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt …”).
Anm.: die ethikratische Ersetzung von “anderer” durch “von Lebewesen” ist auch hier relevant.
Hier geht es also konkret um die Handlung, die bewusste Unterlassung (von “Bösem”) bedeutet.
Auch eine “bewusste Unterlassung” ist eine “Handlung”.
[Beispiel, deutlich: “im Stich lassen”]

Daher ist für die Ethikratie im Wesentlichen der “Passive Ethische Kategorische Imperativ” relevant,
der das Maximum von als “ethisch” zu bezeichnender Freiheit definiert, einschließlich der “Freiheit aller Wesen”,
Freiheit auch und vor allem von Leid, was zwingend logisch die “Unterlassung von Nicht-Helfen” befiehlt, also die (säugerhafte) Pflicht zum (sozialen) Leidausgleich.

 

Persönliche Anm.:

“Was Du nicht willst, das man Dir tu’, das füg’ auch keinem and’ren zu!” ist der erste und einzige verhaltensbestimmende Spruch/Befehl, den ich nach meiner Erinnerung von meinem guten freigeistig-humanistischen Vater je gehört habe.
Er hat ihn kaum wiederholen müssen, denn ich hatte ihn schon mit knapp fünf Jahren begriffen und verinnerlicht.
Und da ich selbst mich nie im Stich gelassen fühlen wollte …

Den aktiven ethischen kategorischen Imperativ habe ich erst 3-4 Jahre später in seiner vollen Tragweite begriffen, aber das war noch früh genug, um mein Leben selbstbestimmt ethisch zu organisieren, selbst zu lenken.

 

 

 

 

 

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